Das Projekt

Ein weitläufiger Bauernhof mit fünf Hektar Land am oberen Ende eines Tales, das die Leute im Dorf Weintal nennen. Dort schlägt das Herz unseres Projektes. Das Geheimnis unserer Arbeit ist ein stets respektvoller und immer klarer Umgang mit den Jugendlichen und ein Personalschlüssel, den es sonst nur selten gibt. 3 SozialpädagogInnen, 3 Lehrerinnen; 1 Erzieher, 6 Sozialassistenten, 1Psychologin, eine Familientherapeutin und bis zu 4-6 Fachanleiter sind für 5-7 Jugendliche im Haus und 12 weitere in Familien da.

Gründer und Betreiber des Projektes ist Bert Schumann (Dipl-Soz. Päd.), der 2002 begann, seine Ideen von Hilfe und Unterstützung für solche Jugendliche, für die sich viele Helfer keinen Rat mehr wussten, umzusetzen. Die Vorbereitung und Hilfeplanung für den Auslandsaufenthalt erfolgt zunächst über die Jugendhilfeeinrichtung Wildfang GmbH in Bothel. Aufgenommen werden Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren mit massiven Störungen im Sozialverhalten, Delinquenz, Drogenmissbrauch und jugendliche Intensivtäter. Die Lebensgeschichten der jungen Menschen sind häufig gekennzeichnet von langandauernden Vernachlässigungen, Gewalt- und Missbrauchserfahrungen und vielen gescheiterten Hilfsversuchen mit den damit verbundenen Beziehungsabbrüchen.

Der Hof mit seiner Abgeschiedenheit bietet zunächst die Möglichkeit zu einem kompletten Wechsel des bisherigen Systems. Die Verunsicherung beginnt schon bei der Anreise mit dem Abstellen des Fahrzeuges, denn die letzten zwei Kilometer bergauf sind nur zu Fuß oder mit dem Pferdewagen zu bewerkstelligen. Der Jugendliche wird in kleinen Schritten durch einen konstant wiederkehrenden Tagesablauf und ein sehr enges Netz von Feedback auf sein Verhalten in die Gemeinschaft von Haus und Hof integriert. Alle Jugendlichen bewohnen Einzel- oder Doppelzimmer. Stets sind mindestens zwei Fachkräfte im Haus.

Der zentrale Ort des Hauses ist die Küche. Hier trifft man sich, nimmt die Mahlzeiten gemeinsam an einem großen Tisch ein, bespricht die anstehenden Aufgaben, die Erfolge und die Niederlagen, hier werden Gäste empfangen. An den Vormittagen findet ein individuell strukturierter Schulunterricht statt. Das Ziel ist die Vorbereitung auf einen Hauptschulabschluss nach der Rückkehr nach Deutschland. An den Nachmittagen werden die notwendigen Arbeiten der Tierpflege und der Instandhaltung der Gebäude und Wege und sonstige landwirtschaftliche Arbeiten erledigt. Die FachanleiterInnen kommen beruflich aus den Bereichen Landwirtschaft, Tierpfleger, Tischlerei, Metallbau, Hoch- und Tiefbau, Hauswirtschaft und Küche. Die Jugendlichen erlernen alle praktischen Tätigkeiten: von einfachen Hilfsarbeiten bis zu komplexen selbst entwickelten Projekten nach einem aufeinander aufbauenden Curriculum. Die FachleiterInnen sind Einheimische und sprechen ausschließlich rumänisch mit den Jugendlichen.

Das Projekt engagiert sich für das Gemeinwesen. Es hilft im Dorf bei Gemeinschaftsaufgaben und unterstützt, wo es notwendig ist. Dadurch ist es ein wichtiger und anerkannter Partner für viele in der Gegend. Wochenenden und Ferienzeiten sind geprägt von gemeinschaftsbildenden Aktivitäten und bieten den Jugendlichen Raum für individuelle Gestaltungen.

In das Projekt integriert ist die einzeltherapeutische Arbeit mit den Jugendlichen, die von Frau Schumann (Systemische Therapeutin) durchgeführt wird. Die Sitzungen dienen dazu, die eigene Lebensgeschichte aufzuarbeiten, einen Abschluss zu dem Erlebten zu bilden und Perspektiven für das eigene Leben zu entwickeln. Darüber hinaus leistet Fr. Schumann eine eminent wichtige Arbeit, wenn es um die Vorbereitung der Rückkehr der Jugendlichen nach Deutschland geht. Hier wird mit den Eltern gearbeitet und mit den Trägern der Jugendhilfe ein konkretes realistisches Szenario entwickelt, welche Angebote ab diesem Moment für den Jugendlichen wichtig sind.

Das Projekt sichert seine Qualität durch eine Vielzahl von Maßnahmen. Die ausführliche Verlaufsdokumentation gehört ebenso dazu, wie die regelmäßigen Dienst- und Fallbesprechungen aller Teammitglieder. Das Projekt erhält regelmäßig Supervision und wird von einem Coach betreut. Darüber hinaus stellt das Projekt jede nur erdenkliche Transparenz her: Besuche von Eltern, Sorgeberechtigen und Mitarbeitern von Jugendämtern sind jederzeit willkommen.

In einem 2-jährigen Prozess wird seit dem Februar 2017 unser Projekt unter der Leitung von Prof. Dr. Werner Freigang von der Hochschule Neubrandenburg Wissenschaftlich evaluiert. Prof. Freigang und seine Studenten gehen insbesondere den Fragen nach, welches sind die besonderen Ressourcen unseres Projektes? Worin bestehen die Wirkungen? Wie können wir die Nachhaltigkeit der Ergebnisse weiter verstärken?

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